Du möchtest Tempeh selber machen, aber dir fehlt die richtige Ausrüstung? Keine Sorge – einen Tempeh Inkubator kannst du mit wenigen Materialien und für unter 30 Euro selbst bauen. In dieser Anleitung zeigen wir dir drei bewährte DIY-Varianten: von der einfachen Styroporbox bis zum umgebauten Kühlschrank. Jede Methode hält zuverlässig die optimale Temperatur von 30-32°C für perfekte Rhizopus-Fermentation.
Warum brauchst du einen Tempeh Inkubator?
Die Tempeh-Fermentation ist ein faszinierender Prozess, bei dem der Schimmelpilz Rhizopus oligosporus die Sojabohnen mit seinem weißen Myzel durchzieht und zu einem festen Block verbindet. Damit dieser Prozess gelingt, sind präzise Temperaturbedingungen entscheidend.
Die Wissenschaft hinter der Temperatur
Laut wissenschaftlichen Studien liegt die optimale Wachstumstemperatur für Rhizopus oligosporus bei etwa 34-35°C. Allerdings produziert der Pilz während der Fermentation selbst erhebliche Wärme – besonders nach 12-24 Stunden. Bei einer Inkubator-Einstellung von 30°C kann die Temperatur im Inneren des Tempeh auf bis zu 38°C steigen.
Daher empfehlen Experten eine Inkubator-Temperatur von 28-32°C, idealerweise 30°C. So bleibt genug Spielraum für die Eigenwärme des Pilzes, ohne dass kritische 42°C überschritten werden – ab dieser Temperatur stirbt der Rhizopus ab.
Temperatur-Übersicht für Tempeh
Optimal: 30-32°C Inkubator-Einstellung
Akzeptabel: 28-35°C
Kritisch niedrig: Unter 22°C (kaum Wachstum)
Kritisch hoch: Über 42°C (Pilz stirbt)
Luftfeuchtigkeit und Belüftung
Neben der Temperatur sind zwei weitere Faktoren wichtig:
- Luftfeuchtigkeit: Optimal zwischen 70-85%. Zu trocken = langsames Wachstum. Zu feucht = Bakterienwachstum.
- Sauerstoff: Rhizopus ist ein aerober Pilz und braucht Sauerstoff zum Wachsen. Deshalb müssen die Fermentationsbeutel perforiert sein und der Inkubator darf nicht luftdicht verschlossen werden.
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→ Zum ShopMethode 1: Die Styroporbox (Empfohlen für Einsteiger)
Die Styroporbox-Methode ist die beliebteste DIY-Lösung für Tempeh-Einsteiger. Sie ist günstig, einfach aufzubauen und liefert zuverlässige Ergebnisse.
Was du brauchst
- Styroporbox (ca. 30x40x30cm) – ca. 5-10€
- Reptilien-Heizmatte (10-20 Watt) – ca. 10-15€
- Digitales Thermometer mit Fühler – ca. 5-10€
- Kleines Gitterrost oder Backofenrost – ca. 5€
- Optional: Temperaturregler/Thermostat – ca. 15-25€
Gesamtkosten: 15-25€ (ohne Thermostat) oder 30-50€ (mit Thermostat)
Schritt-für-Schritt Anleitung
Schritt 1: Lege die Reptilien-Heizmatte flach auf den Boden der Styroporbox. Führe das Kabel durch eine kleine Öffnung am Rand, sodass der Deckel noch schließen kann.
Schritt 2: Platziere das Gitterrost etwa 5-10cm über der Heizmatte. Du kannst es mit kleinen Styroporblöcken oder umgedrehten Tassen unterstützen. Das Gitter verhindert direkten Kontakt zwischen Tempeh und Heizmatte.
Schritt 3: Befestige das Thermometer so, dass der Fühler auf Höhe des Tempehs hängt – nicht direkt über der Heizmatte. Die Anzeige sollte außen ablesbar sein.
Schritt 4: Mache 2-3 kleine Löcher (ca. 1cm Durchmesser) in den Deckel für die Luftzirkulation. Das ist wichtig für den Sauerstoffaustausch.
Schritt 5: Teste den Inkubator 2-3 Stunden bevor du Tempeh hineingibst. Stelle sicher, dass die Temperatur stabil bei 30-32°C liegt.
Vorteile der Styroporbox
- Günstig und schnell gebaut
- Hervorragende Isolierung
- Leicht zu reinigen
- Kompakt und platzsparend
- Perfekt für 1-4 Tempeh-Portionen
Methode 2: Der Backofen mit Ofenlicht
Hast du keine Styroporbox zur Hand? Dein normaler Backofen kann als improvisierter Inkubator dienen – ganz ohne Umbau.
So funktioniert es
Die Glühbirne des Ofenlichts erzeugt genug Wärme, um den geschlossenen Backofen auf etwa 28-32°C zu erwärmen. Die isolierten Wände halten die Temperatur relativ stabil.
Schritt 1: Schalte nur das Ofenlicht ein – NICHT die Heizfunktion!
Schritt 2: Platziere ein Thermometer im Ofen und beobachte die Temperatur über 1-2 Stunden.
Schritt 3: Bei den meisten Öfen stabilisiert sich die Temperatur bei 25-35°C. Falls es zu warm wird, öffne die Ofentür einen Spalt.
Schritt 4: Lege die Tempeh-Päckchen auf das mittlere Ofengitter.
Vor- und Nachteile
Vorteile
Keine zusätzlichen Kosten • Sofort einsatzbereit • Viel Platz für größere Mengen
Nachteile
Ofen ist 24-48h blockiert • Weniger präzise Temperaturkontrolle • Temperaturschwankungen beim Öffnen
Methode 3: Der umgebaute Kühlschrank (Für Fortgeschrittene)
Ein ausrangierter Kühlschrank ist der ideale Inkubator für regelmäßige Tempeh-Produktion. Die eingebaute Isolierung ist perfekt und bietet viel Platz für größere Mengen.
Was du brauchst
- Alter Kühlschrank (funktioniert nicht mehr? Perfekt!) – oft kostenlos
- Glühbirne mit Fassung (25-40 Watt) – ca. 5€
- Dimmer (optional, für Temperaturanpassung) – ca. 10€
- Temperaturregler – ca. 15-25€
- Kleiner Ventilator (optional, für gleichmäßige Wärmeverteilung) – ca. 10€
Aufbau-Anleitung
Schritt 1: Entferne das Kühlgerät (Kompressor) falls noch vorhanden – es wird nicht mehr benötigt.
Schritt 2: Installiere die Glühbirnen-Fassung im unteren Bereich des Kühlschranks an einer Seite. Führe das Kabel durch die vorhandene Öffnung an der Rückwand.
Schritt 3: Verbinde den Temperaturregler zwischen Steckdose und Glühbirne. Der Temperaturfühler kommt in die Mitte des Kühlschranks auf Höhe der Fermentationsgitter.
Schritt 4: Stelle den Temperaturregler auf 30°C. Die Glühbirne schaltet sich automatisch ein, wenn die Temperatur unter den Zielwert fällt.
Schritt 5: Optional: Ein kleiner USB-Ventilator verteilt die Wärme gleichmäßig und verhindert Hotspots.
Der Temperaturregler: Das Herzstück des Inkubators
Ein digitaler Temperaturregler ist die beste Investition für zuverlässige Tempeh-Fermentation. Er schaltet die Wärmequelle automatisch ein und aus, um die Zieltemperatur konstant zu halten.
Empfohlene Modelle
Inkbird ITC-308
Preis: ca. 35€ • Genauigkeit: ±1°C • Bereich: -50°C bis 120°C
Der Klassiker für Hobby-Fermentierer. Einfach zu bedienen, zuverlässig, kann sowohl heizen als auch kühlen steuern.
Einfacher Brutstätten-Thermostat
Preis: ca. 15-20€ • Genauigkeit: ±1-2°C
Ursprünglich für Küken-Inkubatoren. Günstiger, aber weniger Funktionen.
Einstellung des Temperaturreglers
- Zieltemperatur: 30°C
- Hysterese: 1-2°C (der Regler schaltet bei 29°C ein und bei 31°C aus)
- Temperaturfühler: Auf Höhe des Tempehs platzieren, nicht direkt an der Wärmequelle
Tipps für die perfekte Fermentation im DIY-Inkubator
1. Temperaturüberwachung ist entscheidend
Besonders nach 12-24 Stunden produziert der Tempeh eigene Wärme. Kontrolliere die Temperatur in dieser Phase häufiger. Bei kleinen Mengen (1-2 Portionen) ist dies weniger kritisch als bei größeren Batches.
2. Luftzirkulation sicherstellen
Der Rhizopus-Pilz braucht Sauerstoff. Stelle sicher, dass:
- Die Fermentationsbeutel ausreichend perforiert sind (alle 2-3cm ein Loch)
- Der Inkubator nicht luftdicht verschlossen ist
- Die Tempeh-Päckchen nicht gestapelt werden
3. Die richtige Schichtdicke
Tempeh-Päckchen sollten 2-3cm dick sein. Dünnere Schichten (1-2cm) fermentieren schneller und gleichmäßiger. Dickere Schichten (über 3cm) können in der Mitte überhitzen.
4. Fermentation beobachten
Nach etwa 12 Stunden solltest du erste weiße Myzel-Fäden sehen. Nach 24-36 Stunden ist der Tempeh fertig, wenn:
- Ein dichtes, weißes Myzel die gesamte Oberfläche bedeckt
- Die Bohnen fest zusammenhalten
- Der Tempeh einen angenehm pilzigen Geruch hat
Häufige Fragen zum Tempeh Inkubator
Vergleich der DIY-Inkubator-Methoden
Styroporbox + Heizmatte
Kosten: 15-50€ • Aufwand: Gering • Kapazität: 1-4 Portionen
Ideal für: Einsteiger, gelegentliche Tempeh-Herstellung
Backofen mit Ofenlicht
Kosten: 0€ • Aufwand: Minimal • Kapazität: Groß
Ideal für: Spontane Experimente, wenn kein anderer Inkubator verfügbar
Umgebauter Kühlschrank
Kosten: 30-80€ • Aufwand: Hoch • Kapazität: Sehr groß
Ideal für: Regelmäßige Produktion, mehrere Fermentationsprojekte
Fazit: Dein Weg zum perfekten Tempeh
Ein Tempeh Inkubator muss nicht teuer oder kompliziert sein. Mit einer einfachen Styroporbox und einer Reptilien-Heizmatte für unter 25€ kannst du bereits hervorragende Ergebnisse erzielen.
Der wichtigste Faktor ist die konstante Temperatur von 30-32°C. Mit einem Temperaturregler automatisierst du diesen Prozess und kannst dich entspannt zurücklehnen, während der Rhizopus-Pilz seine Magie entfaltet.
Starte am besten mit der Styroporbox-Methode – sie ist schnell aufgebaut und verzeiht kleine Fehler. Sobald du regelmäßig Tempeh machst, lohnt sich der Umbau eines alten Kühlschranks.
Bereit für dein erstes selbstgemachtes Tempeh? In unserer kompletten Tempeh-Anleitung zeigen wir dir den gesamten Fermentationsprozess Schritt für Schritt.
Hast du Fragen zum Tempeh Inkubator oder eigene DIY-Tipps? Teile deine Erfahrungen mit uns auf Instagram @helden_pilz oder schreibe uns eine E-Mail an lea@helden-pilz.de.













