Tempeh selber machen: Die komplette Anleitung für perfekten Tempeh zu Hause
Kurz & Knapp: Tempeh selber machen gelingt mit gekochten Sojabohnen, Tempeh-Starterkultur (Rhizopus oligosporus) und 24-48 Stunden Fermentation bei 30-32°C. Das Ergebnis ist ein proteinreiches Lebensmittel mit 19g Eiweiß pro 100g, das durch die Fermentation besonders gut verdaulich wird. Der Prozess ist einfacher als du denkst – und das Ergebnis schmeckt deutlich besser als gekaufter Tempeh.
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→ Zum ShopWenn du das erste Mal selbstgemachten Tempeh probierst, wirst du überrascht sein. Der Geschmack ist nussiger, die Textur fester und das Aroma vielschichtiger als bei jeder Supermarkt-Variante. Kein Wunder – frischer Tempeh ist ein völlig anderes Produkt als die vakuumverpackte Version, die oft wochenlang im Kühlregal liegt.
In diesem Guide zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du Tempeh zu Hause herstellst. Keine Sorge: Der Prozess ist deutlich einfacher als bei anderen Fermentationsprojekten wie Miso oder Sauerteig. Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Geduld gelingt dir schon beim ersten Versuch ein Tempeh, der sich vor indonesischen Originalen nicht verstecken muss.
Was ist Tempeh eigentlich?
Tempeh ist ein traditionelles indonesisches Lebensmittel aus fermentierten Sojabohnen. Anders als bei Tofu, wo Sojamilch mit Gerinnungsmitteln behandelt wird, bleiben beim Tempeh die ganzen Bohnen erhalten. Sie werden durch ein Geflecht aus weißem Pilzmyzel zusammengehalten – das Ergebnis des Fermentationsprozesses.
Die Geschichte des Tempeh reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Erste schriftliche Erwähnungen finden sich im Serat Centini, einem über 300 Jahre alten javanischen Dokument. Der Ursprung liegt vermutlich in Zentral-Java, wo Sojabohnen zufällig mit Schimmelpilzsporen von Teakholz- oder Hibiskusblättern in Kontakt kamen. Die Javaner erkannten schnell, dass das Ergebnis nicht nur essbar, sondern außergewöhnlich nahrhaft war.
Der Unterschied zu Tofu
Während Tofu aus Sojamilch hergestellt wird und eine relativ neutrale, weiche Konsistenz hat, behält Tempeh die Struktur der ganzen Bohne. Das macht ihn bissfester und gibt ihm einen ausgeprägteren, nussig-erdigen Geschmack. Die Fermentation sorgt zusätzlich dafür, dass bestimmte Nährstoffe besser verfügbar werden – ein Vorteil, den Tofu nicht bietet.
Tempeh vs. Tofu im Vergleich
Die Wissenschaft hinter der Tempeh-Fermentation
Der Star der Tempeh-Herstellung ist ein Schimmelpilz namens Rhizopus oligosporus. Dieser Pilz ist völlig ungefährlich und wird seit Jahrhunderten für die Lebensmittelherstellung verwendet. Er gehört zur gleichen Familie wie der Pilz, der in der traditionellen asiatischen Küche für die Herstellung von Amazake und anderen fermentierten Produkten eingesetzt wird.
Während der Fermentation geschieht Folgendes:
- Sporenkeimung: Die Rhizopus-Sporen keimen bei 30-32°C und beginnen, fadenförmige Strukturen (Hyphen) zu bilden.
- Myzelwachstum: Die Hyphen durchdringen die Sojabohnen und bilden ein dichtes, weißes Netzwerk – das Myzel.
- Enzymproduktion: Der Pilz produziert Enzyme, die Proteine, Fette und Kohlenhydrate aufspalten.
- Nährstofftransformation: Antinutritive Substanzen wie Phytate werden um 50-70% reduziert, wodurch Mineralstoffe besser verfügbar werden.
Eine aktuelle Studie aus 2025 zeigt, dass die Fermentation nicht nur die Verdaulichkeit verbessert, sondern auch bioaktive Verbindungen wie Isoflavone in besser aufnehmbare Formen umwandelt. Die Forscher fanden heraus, dass die Co-Fermentation mit bestimmten Milchsäurebakterien den Gehalt an Aglykonen – den aktiven Formen der Isoflavone – deutlich erhöhen kann.
„Die Temperaturkontrolle ist der wichtigste Faktor für gelungenen Tempeh. In über 500 Chargen haben wir gelernt: Lieber etwas zu kühl als zu warm. Bei über 35°C sterben die Sporen ab, bei unter 28°C dauert die Fermentation deutlich länger."
— Aus der HeldenPilz Werkstatt
Was du für Tempeh brauchst
Zutaten
- 500g getrocknete Sojabohnen (idealerweise geschält oder halbiert – das beschleunigt die Vorbereitung erheblich)
- 1 TL Tempeh-Starterkultur (Rhizopus oligosporus Sporen)
- 1-2 EL Essig (Apfelessig oder Weißweinessig, optional aber empfohlen)
Ausrüstung
- Großer Topf zum Kochen der Bohnen
- Sieb oder Abtropfgitter
- Saubere Geschirrtücher zum Trocknen
- Perforierte Beutel oder Formen (Gefrierbeutel mit Löchern funktionieren gut)
- Inkubator oder warmer Ort mit konstanten 30-32°C
- Thermometer zur Temperaturkontrolle
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Tempeh selber machen: Schritt-für-Schritt Anleitung
Schritt 1: Sojabohnen vorbereiten (12-24 Stunden vorher)
Weiche die Sojabohnen in reichlich Wasser ein. Sie sollten mindestens 12 Stunden quellen – am besten über Nacht. Die Bohnen nehmen dabei etwa das Doppelte ihres Volumens an Wasser auf.
Tipp: Verwende geschälte oder halbierte Sojabohnen. Das spart dir den mühsamen Schritt des Enthäutens und die Sporen können besser eindringen.
Schritt 2: Bohnen kochen
Gieße das Einweichwasser ab und koche die Bohnen in frischem Wasser für 25-30 Minuten. Sie sollten gar, aber noch bissfest sein – nicht matschig. Optional kannst du 1-2 EL Essig ins Kochwasser geben. Das senkt den pH-Wert leicht und hemmt unerwünschte Bakterien während der Fermentation.
Schritt 3: Trocknen – der wichtigste Schritt
Gieße die Bohnen ab und lass sie gründlich abtropfen. Dann breitest du sie auf sauberen Geschirrtüchern aus und lässt sie vollständig abkühlen und trocknen. Die Oberfläche der Bohnen sollte trocken sein – keine sichtbare Feuchtigkeit mehr.
Warum das so wichtig ist: Zu viel Feuchtigkeit begünstigt Bakterien statt des gewünschten Pilzwachstums. Die meisten Fehlschläge beim Tempeh-Machen lassen sich auf zu feuchte Bohnen zurückführen.
Schritt 4: Inokulation
Sobald die Bohnen Raumtemperatur erreicht haben (unter 35°C – niemals heißer!), gibst du die Starterkultur dazu. Für 500g trockene Sojabohnen reicht etwa 1 TL Starter.
Mische gründlich, damit die Sporen gleichmäßig verteilt werden. Am einfachsten geht das in einer großen Schüssel mit sauberen Händen oder einem Löffel.
Schritt 5: Verpacken
Fülle die inokulierten Bohnen in perforierte Behälter. Klassisch verwendet man:
- Gefrierbeutel mit Löchern: Stich alle 2-3 cm ein Loch mit einer Nadel oder Gabel. Der Pilz braucht Sauerstoff.
- Bananenblätter: Traditionell in Indonesien, aber schwer zu bekommen.
- Edelstahl-Lochbleche: Wiederverwendbar und hygienisch.
Die Schicht sollte etwa 2-3 cm dick sein. Zu dick = ungleichmäßige Fermentation, zu dünn = trocknet aus.
Schritt 6: Fermentation
Jetzt kommt der Teil, bei dem du abwarten musst. Lege die Beutel in deinen Inkubator oder an einen warmen Ort mit konstanten 30-32°C.
Fermentationsverlauf:
- 0-12 Stunden: Optisch passiert noch nichts.
- 12-18 Stunden: Erste weiße Fäden werden sichtbar.
- 18-24 Stunden: Deutliches Myzelwachstum, die Bohnen beginnen zusammenzuwachsen.
- 24-36 Stunden: Der Tempeh-Block ist fest, komplett weiß überzogen.
- 36-48 Stunden: Optimaler Reifepunkt für die meisten Geschmäcker.
Wichtig: Ab etwa 20 Stunden produziert der Pilz selbst Wärme. Kontrolliere die Temperatur – sie sollte 35°C nicht übersteigen. Bei Bedarf lüften oder kühler stellen.
Schritt 7: Fertig!
Dein Tempeh ist fertig, wenn:
- Die Bohnen vollständig von weißem Myzel überzogen sind
- Der Block fest zusammenhält
- Er angenehm nussig-pilzig riecht
Nimm ihn aus dem Inkubator und lagere ihn im Kühlschrank. Dort hält er sich etwa eine Woche. Für längere Lagerung kannst du ihn einfrieren.
„Viele Anfänger machen sich Sorgen wegen der grauen oder schwarzen Stellen, die manchmal auf reifem Tempeh erscheinen. Das ist Sporulation – völlig normal und unbedenklich. Der Tempeh ist dann einfach etwas überreif, aber immer noch essbar. Nur grüne oder blaue Verfärbungen mit unangenehmem Geruch deuten auf Kontamination hin."
— HeldenPilz Team
DIY Inkubator: So hältst du die Temperatur konstant
Die größte Herausforderung beim Tempeh-Machen zu Hause ist die Temperaturkontrolle. Hier einige bewährte Methoden:
Option 1: Backofen mit Licht
Schalte nur das Backofenlicht ein (nicht heizen!). Bei vielen Öfen reicht die Wärme der Glühbirne für etwa 28-30°C. Miss die Temperatur vorher aus.
Option 2: Kühlbox mit Wärmequelle
Eine Styropor-Kühlbox mit einer Heizmatte für Terrarien oder einer Wärmelampe funktioniert hervorragend. Mit einem einfachen Thermostat kannst du die Temperatur automatisch regeln.
Option 3: Dörrgerät
Viele Dörrgeräte haben Temperaturstufen um 30°C. Ideal, wenn du bereits eines besitzt.
Für eine ausführliche Bauanleitung schau dir unseren Tempeh-Inkubator DIY Guide an.
Tempeh Nährwerte: Warum er so gesund ist
Tempeh gilt als eines der nährstoffreichsten pflanzlichen Lebensmittel überhaupt. Die Fermentation macht dabei einen entscheidenden Unterschied:
📊 Nährwerte pro 100g Tempeh
Vitamin B12 in Tempeh
Ein spannendes Thema: Traditionell fermentierter Tempeh kann geringe Mengen Vitamin B12 enthalten. Laut einer PubMed-Studie produzierten bestimmte Bakterien, die natürlicherweise bei der Fermentation vorkommen, bis zu 19 ng/g Vitamin B12.
Allerdings: Diese Mengen variieren stark und sind nicht zuverlässig genug, um den Tagesbedarf zu decken. Veganer sollten B12 weiterhin supplementieren – Tempeh kann aber ein netter Bonus sein.
Bessere Mineralstoffaufnahme
Sojabohnen enthalten Phytate, die die Aufnahme von Mineralstoffen wie Eisen und Zink hemmen können. Die Fermentation reduziert den Phytatgehalt um 50-70%, wodurch diese Nährstoffe deutlich besser verfügbar werden. Das ist einer der Hauptgründe, warum fermentierte Sojaprodukte wie Tempeh oder Miso als gesünder gelten als unfermentierter Tofu.
Troubleshooting: Häufige Probleme und Lösungen
Nicht jeder Tempeh gelingt beim ersten Mal. Hier die häufigsten Probleme und wie du sie löst:
Problem: Kein oder schwaches Myzelwachstum
Mögliche Ursachen:
- Bohnen zu heiß inokuliert (über 35°C = Sporen sterben)
- Temperatur zu niedrig (unter 28°C = sehr langsames Wachstum)
- Starter zu alt oder falsch gelagert
- Zu wenig Starter verwendet
Lösung: Stelle sicher, dass die Bohnen auf unter 35°C abgekühlt sind. Verwende frischen Starter und halte 30-32°C konstant.
Problem: Schleimige Konsistenz, unangenehmer Geruch
Ursache: Bakterielle Kontamination, meist durch zu feuchte Bohnen oder mangelnde Hygiene.
Lösung: Wirf diesen Ansatz weg. Beim nächsten Mal: Bohnen gründlicher trocknen, Utensilien sterilisieren, optional Essig zum Kochwasser geben.
Problem: Schwarze oder graue Flecken
Das ist normal! Graue oder schwarze Stellen sind Sporulation – der Pilz bildet Sporen. Das passiert bei längerer Fermentation oder höheren Temperaturen. Der Tempeh ist essbar, hat aber einen intensiveren Geschmack.
Problem: Ungleichmäßiges Wachstum
Ursache: Schicht zu dick, ungleichmäßige Temperatur oder ungleichmäßige Starterverteilung.
Lösung: Halte die Schicht bei 2-3 cm. Mische den Starter gründlicher. Drehe die Beutel nach 12 Stunden um.
Mehr Details findest du in unserem Tempeh Troubleshooting Guide.
Tempeh aus anderen Hülsenfrüchten
Klassischer Tempeh wird aus Sojabohnen gemacht, aber du kannst experimentieren. Rhizopus oligosporus funktioniert auch mit:
- Kichererbsen: Milder, leicht nussiger Geschmack. Siehe unsere Kichererbsen-Tempeh Anleitung.
- Schwarzen Bohnen: Herzhafter, erdiger Geschmack.
- Lupinen: Besonders proteinreich (bis zu 53% Protein laut aktueller Forschung).
- Linsen: Schnellere Garzeit, etwas weichere Textur.
Die Grundtechnik bleibt gleich – nur die Kochzeiten variieren je nach Hülsenfrucht.
Häufige Fragen zu Tempeh selber machen
Wie lange dauert es, Tempeh selber zu machen?
Die gesamte Herstellung dauert etwa 2 Tage: 12-24 Stunden Einweichen, 30 Minuten Kochen und Vorbereiten, dann 24-48 Stunden Fermentation. Der aktive Arbeitsaufwand beträgt nur etwa 1 Stunde – den Rest erledigt der Pilz.
Kann ich Tempeh ohne Inkubator machen?
Ja, mit etwas Kreativität. Ein Backofen mit eingeschaltetem Licht erreicht oft 28-30°C. Alternativ funktioniert eine Kühlbox mit Wärmflasche oder ein Dörrgerät auf niedriger Stufe. Wichtig ist eine konstante Temperatur zwischen 28-32°C.
Ist der weiße Schimmel auf Tempeh gefährlich?
Nein, der weiße "Schimmel" ist das Myzel von Rhizopus oligosporus – genau das, was du möchtest. Dieser Pilz wird seit Jahrhunderten für die Lebensmittelherstellung verwendet und ist völlig unbedenklich. Nur grüne, blaue oder rote Verfärbungen mit unangenehmem Geruch deuten auf unerwünschte Kontamination hin.
Wie lange hält selbstgemachter Tempeh?
Im Kühlschrank hält frischer Tempeh etwa 7-10 Tage. Eingefroren ist er mehrere Monate haltbar, ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Zum Einfrieren am besten in Scheiben schneiden – so kannst du portionsweise entnehmen.
Warum schmeckt mein Tempeh bitter?
Bitterkeit entsteht meist durch Überfermentation oder zu hohe Temperaturen. Wenn der Tempeh grau-schwarze Sporulation zeigt und bitter schmeckt, ist er überreif. Beim nächsten Mal früher stoppen (nach etwa 36 Stunden) und die Temperatur unter 32°C halten.
Fazit: Dein erster Tempeh wartet
Tempeh selber machen ist einfacher als die meisten denken. Mit den richtigen Zutaten, etwas Geduld und konstanter Temperatur gelingt dir ein Produkt, das jeden Supermarkt-Tempeh in den Schatten stellt. Der nussige Geschmack, die feste Textur und das Wissen, genau zu wissen, was drin ist – das macht den Unterschied.
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Quellen: MDPI Applied Sciences, PubMed: Vitamin B12 in Tempeh, Wikipedia: Tempeh, Google Arts & Culture: 400 Years of Tempeh
Quellen & Studien
- Nout, M.J.R. & Kiers, J.L. (2005). "Tempe fermentation, innovation and functionality." Journal of Applied Microbiology, 98(3), 789-805. PubMed
- Astuti, M. et al. (2000). "Tempe, a nutritious and healthy food from Indonesia." Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition, 9(4), 322-325. PubMed
- Kuligowski, M. et al. (2022). "Effect of different processing methods on the content of isoflavones in tempeh." Food Chemistry, 369, 130938. PubMed













